E09 "Stories Of The Street"
Shownotes
Ein musikalisch poetischer Streifzug durch Leonard Cohens New York der 60er Jahre.
Dieser Song ist ein eindrucksvolles Beispiel für Cohens Begabung dokumentarisch zu beschreiben, dabei aber Tore in etwas viel größeres zu öffnen.
Transkript anzeigen
00:00:00: Ihr hört Staffel eins zum Album The Songs of Leonard Cohen mit zehn Episoden zu zehn Songs.
00:00:10: Hallo Christoph!
00:00:12: Hallo Rolf,
00:00:13: da sind wir wieder mit unserem mittlerweile wirklich ultimativen Podcast.
00:00:19: Wir haben schon einige Folgen hinter uns und wir hatten unfassbar viel Spaß.
00:00:26: Und vor allem
00:00:27: wir arbeiten uns durch.
00:00:28: Ja und wir hatte vor allem vor allem unfassbar viel gelernt.
00:00:33: Also ich habe von dir wirklich sehr viel gelernt, das muss sich hier nochmal betonen.
00:00:39: und naja wir sind auf der Vinyl!
00:00:42: Auf der zweiten Seite des Albums heute.
00:00:46: aber wir hatten Marianne und wir hatten hey that's no way to say goodbye zwei wirklich Hoch berühmte Stücke.
00:00:55: Und jetzt kommt ein Stück, das gar nicht so wahnsinnig bekannt ist nur eben den Leuten die Leonard Cohen Fans sind, die das Album haben und nicht das Best of Ein wunderbares Stück Das da heißt Stories Of The Street.
00:01:14: Was gibt's denn dazu zu erzählen Christoph?
00:01:19: Auf der einen Seite kann ich mal so viel und auf der anderen Seite The stories of the street are mine, singt.
00:01:46: a Spanish voice's laugh.
00:01:49: The Cadillacs go creeping now through night and poison gas.
00:02:01: Das ist das Interessante dabei, weil dieses Old Hotel ist das Chelsea-Hotel.
00:02:08: D.h.,
00:02:08: der Song ist auch die Stories of the Street.
00:02:11: Das sind die Straßen, das ist die dranzwanzigste Straße West in ... New York, nicht weit weg eben von Chelsea.
00:02:22: Nicht weit weg von Downtown und das ist halt eben.
00:02:27: ich kann mir das sehr gut vorstellen dass er da tatsächlich in einem seiner Zimmer im Chelsea Hotel gesessen hat und einfach mal aus dem Fenster geguckt hat und sich mal wieder Gedanken über die Welt gemacht hat.
00:02:41: und genau darüber geht halt eben dieser Song.
00:02:44: für mich ist diese Saison tatsächlich ja einer der düstersten des ganzen albums.
00:02:52: vielleicht auch ein grund deswegen dass er den meines wissens nach ich müsste es wirklich auch noch mal recherchieren und wenn ich dann so einen satz wie jetzt gerade formuliere habe ich fast ein schlechtes gewissen das ist nicht wirklich hundert prozentig recherchiert hat weil du weißt, ich bin da so jemand der gerne dokumentiert weniger interpretiert, aber eher dokumentiert und versuche dann niemand das was ich da noch sage irgendwo so zu belegen.
00:03:19: Und ich glaube Leonard Kohn hat diesen Song live nie gespielt und er ist auch tatsächlich nur auf diesem Album The Songs of Leonard Kohn enthalten bis auf es gab mal Da bin ich glücklich darüber dass sich diesem Zufall erlegen bin Ich saß uns ab in New York in einem Starbucks Und die hatten öfters mal, gab's auch mal bei Bob Dylan.
00:03:47: Die haben auch mal The Gaslight-Tapes aus den Sechzigerjahren.
00:03:51: Haben die da so als eine Starbucks Sonderspecial Limited Edition von fünftausend Exemplaren für einen Able und ein Ei, was ich verkaufe an der Takee?
00:04:00: Das heißt du hast ja dein Koffi bestellt.
00:04:03: Bevor die dir den Namen auf dem Becher geschrieben haben, haben sie noch gesagt hier willst du noch so ne CD haben, kostet nur so.
00:04:10: und so viel Gab es, habe ich in New York gesehen.
00:04:15: Das hieß Songs from the Coffee House und da war Stories of The Street drauf.
00:04:20: Wow!
00:04:22: Ja... Da war ich dann überrascht dass gerade dieser Song auf so ein Album drauf kommt.
00:04:28: aber mein Gott was ist schöner als in einem Café-Haus zu sitzen?
00:04:32: Und sich einfach ohne aus dem Fenster zu schauen?
00:04:35: und deswegen passt das auch gut zu diesen Zahlen die ich vorhin zitiert hab.
00:04:38: Aber was sagt denn dir dieser Song?
00:04:41: Naja für mich ist das verblüffende an diesem Song erstmal, dass er mit der Zeile The Stories of the Street Armin beginnt.
00:04:51: Also... Das ist ja so ganz untypisch weil wir hatten ja so viele Stücke bei dem man am Anfang was anderes entdeckt als es später sich im Song entpuppt sozusagen, dass irgendwann mal das Ganze dreht.
00:05:05: oder irgendwann kommt ein Satz der einem sagt Uff!
00:05:09: Das ist ja ganz anders.
00:05:10: Aber hier sagt er ganz klar, the stories of the street are mine.
00:05:14: und für mich ist das also mir sagt der Song folgendes.
00:05:16: Also ich habe da so ein Bild als würde Leonard Cohen durch die Nacht durch New York wandern und dabei so das ganze Elend aufzunehmen dass er dabei sieht von Prostituierten über Obdachlose und keine Ahnung, also alles möglich.
00:05:42: Und er sagt aber The Stories of the Street are Mine!
00:05:45: Also er identifiziert sich quasi ein wenig mit allem was er da sieht und das finde ich wirklich ganz wunderbar.
00:05:55: und was der Song mir noch mit gibt ist oder vielleicht ist das auch ein Grund warum er den Song selbst später nicht mehr gespielt hat, wobei eigentlich war es ihm ja egal.
00:06:07: Er hätte es auch anders singen können aber er hat sehr hochgesungen.
00:06:10: das ist ganz ganz untypisch.
00:06:12: also er geht wirklich ganz weit nach oben.
00:06:15: seine Stimme wird dann etwas dünner aber hoch interessant finde ich und vielleicht liegt es daran keine Ahnung.
00:06:26: Mich persönlich nimmt der Song wirklich tatsächlich sehr, sehr mit.
00:06:29: Weil er mir tatsächlich das was sie auch schon öfters darüber hatten dieses Drehbuch also dass ist wie ein Film wie einen Kurzfilm und man sieht ihn förmlich durch die Straßen gehen.
00:06:42: Das ist wunderbar!
00:06:44: Das ist ein sehr schönes Bild.
00:06:47: Manchmal nicht in allen Songs aber gerade in diesen Songs der ersten Album Die du ja auch im Liveprogramm als Early Works bezeichnest Was sie ja sind, für mich ist oder das sind die Early Works auch so ein Art Zeugnis von Leonard Cohen als kleiner Wissenschaftler.
00:07:07: Er ist so ein Forscher und in dem Song erforscht er für mich diese Spannung zwischen dem Makro-Kosmischen Und dem, wofür Lennart Kohn immer wieder, ich sage es mal, womit er beschrieben wird.
00:07:23: Dem Leiden der Menschheit und unseren eigenen persönlichen aber auch spirituellen Sehnsichten die wir haben.
00:07:32: Für mich ist der Song Stories of the Street so eine reine ruhelose Meditation über das komplette globale Chaos, über Gewalt und Verlangen oder diese sich letztendlich über ein Erzähler, der sich in dieser endlosen Meditation befindet.
00:07:53: Über eine zerbrochene Welt philosophiert und das letztendling beim Blick aus dem Fenster, aus dem Chelsea Hotel tut.
00:08:01: Und dass durch mit diesem Song gerne assoziieren so ne kleine wissenschaftliche Abhandlung eines Lennart-Kons über das, was gerade so passiert.
00:08:12: Das Album ist ja in den Sehnten und Sechzehnzig, achtensechzig rausgekommen.
00:08:17: Und wenn man das jetzt mit der heutigen Zeit vergleicht ... Wir werden bei vielen Songs hören wie aktuell Lennhard Kohn oder besser gesagt wie zeitlos Lennard Kohn mit seinen Songs war und ist immer noch ist.
00:08:33: Obwohl er ja in der Zeit sehr persönliche Songs geschrieben hat.
00:08:37: Also ich glaube, in seinem Spätwerk hat er dann immer mal wieder auch quasi das große Ganze genommen wenn man jetzt mal so was wie First We Take Men hätten oder wie auch immer nimmt und da war er sehr persönlich.
00:08:51: aber mit diesem Song muss sich dir recht geben.
00:08:54: also es ist eine zeitlose Beschreibung unserer Welt.
00:08:58: Oft wird ihm ja vorgeworfen, dass er immer so den Soundtrack oder der Produzent von Soundtracks für Selbstmordgefährdete ist.
00:09:08: Was ich nicht so sehe.
00:09:10: im Gegenteil, ich glaube, er spendet unter mich viel Trost denjenigen die vielleicht mit solchen suizidalen Gedanken spielen und er macht das halt eben tatsächlich.
00:09:27: Er spielt so mit der Spannung von Gegensätzen.
00:09:30: Das merkt man auch in dieser Textseile, with one hand on my suicide and one hand the rose.
00:09:37: Da fängt ja dieses zentrale Paradoxon vom Kohnswerk erst richtig wirklich an und zeigt damit auch ein bisschen das Gleichgewicht zwischen dem Wunsch nach Vernichtungen wie auch immer der aussieht, wie die Suche nach dem Schmerz des Lebens anhaltenden Verlangen nach Schönheit, Romantik und Zerblichkeit.
00:10:00: Und in diesem Paradoxon, ich nenn's jetzt mal inner Strackel hat ja Kohn immer gelebt und aus dem ist er letztendlich auch das entstanden womit er jahrzehntelang zu kämpfen hatte mit Depressionen.
00:10:12: aber und das ist die nächste, ich nennst es jetzt mal kleine Interpretationsplattform bei Stories of the Street.
00:10:23: Es geht da in dem Song aus meiner Sicht auch viel um Spiritualität und auch um spirituelle Unzufriedenheit.
00:10:31: Kohn als Jude geboren, im jüdischen Glauben auch erzogen hat sich aber schon sehr früh – das werden wir dann noch bei anderen Songs hören – mit dieser buddhistischen Philosophie des Zen beschäftigt weil er ja Anfang der Sechziger Jahre schon Kontakt hatte mit seinem späteren Zen-Master.
00:10:57: die Auseinandersetzung mit Zen-Buddhismus weniger als Religion, mehr als Philosophie und mehr als Art und Weise wie man mit Dingen des Lebens umgehen kann oder wie man durch Spiritualität ein gewisses Gleichgewicht finden kann.
00:11:20: Das ist das, was in dem Song auch sehr gut herauskommt.
00:11:26: Und Stories of the Street ist für mich weniger so eine suizidale Orientierung, sondern eigentlich genau das Gegenteil nämlich es geht um das Vermeiden davon.
00:11:38: Es geht um dass vermeiden von Schmerz und sich wünschen, dass alles was einem belastet bald aufhört.
00:11:49: Ich mag ja diese Melodie so sehr, die er da singt und auch dieses... Es geht ja immer quasi am Schluss.
00:11:55: Geht's auf Dur Und dann kommt der A-Dur-Accord und dann fällt es wieder zurück zum Moll.
00:12:02: Das ist so wunderschön Weil das wiederholt sich ja immer widerständig So ein wenig gespielt wie bei Solon Marion.
00:12:10: Also ist auch dieser Sechsachtelrhythmus Kein typischer Dreiviertel den er oft hat Sondern eben so einen Sechs-Achtelrhythmus.
00:12:19: Ja, also ich muss mal gucken.
00:12:21: Ich werde den glaube ich wenn wir heute fertig sind mit der Aufnahme mal testen anzuspielen.
00:12:26: ein wunderbarer Song.
00:12:27: Dann
00:12:27: hätte ich doch noch eine Frage an dich.
00:12:30: Wenn du als derjenige der dieses Kone-Triput-Programm live auf die Bühne bringt und damit letztendlich Musikwort und Geist von Leonard Cohen einfach weiter trägst gerade jetzt im zehnten Jahr des Todestages von Kohn am siebten November, im Jahr zwanzig ist er ja zehn Jahre tot.
00:12:54: Du hast dieses Field Commander Kohn Live-Programm und du hast jetzt dieses Early Works Live-Programm.
00:13:00: Wie gehst du denn bei der Selektion deiner Songs vor?
00:13:05: Wenn du sagst Stories of the Street hast du ebenso wie Kohn auch noch nicht live gespielt.
00:13:11: Warum denn nicht?
00:13:13: Und was sind die Kriterien dafür, damit ein Song von dir live auf die Bühne kommt?
00:13:17: Also
00:13:18: für mich ist Kriterium Nummer eins.
00:13:21: Ich muss den Song fühlen können... also das ist erstmal für mich wichtig.
00:13:26: ich muss ihn fühlen und wenn ich ihn singe, muss ich merken es funktioniert mit meiner Stimme.
00:13:33: Ich kann die Gitarre spielen.
00:13:35: Das sind einmal so die Grundgerüste generell stimmen müssen, bevor ich einen Song auswähle.
00:13:43: Und dann kommt natürlich dazu wir haben ja eine begrenzte Zeit bei unseren Auftritten und es gibt halt eine Menge an Songs die man unbedingt spielen muss das auch das Publikum erwartet und außerhalb dieser Songs also natürlich so long marian oder susanne diese famous blue raincoat.
00:14:06: man kann solche songs nicht weglassen Und außerhalb dieser Songs suche ich mir immer so ein paar Perlen raus.
00:14:15: Das mache ich eigentlich an jedem Konzert wechselnd, also wer mehrfach auf unsere Konzerte geht, da hört dann auch nicht immer die selben Sachen und da nehme ich mir eben aus diesen Stücken... Ich sage jetzt mal aus der zweiten Reihe von Coen Songs raus Welche das dann sind, das ist dann wiederum zurückzukommen auf den Ursprung nämlich die ich gut interpretieren kann.
00:14:43: Die ich fühle, wo ich merke, die tun etwas mit mir und ich kann das Gefühl dieses Songs so transportieren dass es funktioniert und erst mal muss er bei mir funktionieren und wenn er bei mehr funktioniert, dann funktioniert er auch bei den Menschen ganz gut.
00:15:00: so vielleicht auch dem Punkt
00:15:02: Das passt ja wunderbar zu diesen Zahlen in der dritten Strophe.
00:15:06: And where do all these highways go now that we are free, oder ein paar Zahlen später?
00:15:13: You're locked into your suffering and your pleasures are the seal.
00:15:18: so wir sind alle irgendwo auf den Straßen unterwegs fühlen uns wenn wir auf diesen Straßen sind irgendwie bisschen befreit.
00:15:27: Aber eigentlich ist diese Freiheit vielleicht genau das Gegenteil und wir wissen auch gar nicht, wohin uns diese Straßen treiben.
00:15:35: Und somit weißt du auch du vielleicht nicht ob du diesen Song live auf die Bühne bringst oder nicht?
00:15:40: Aber ich würde es mir sehr wünschen!
00:15:41: Ja,
00:15:42: ich wünsche mich auch.
00:15:43: Ich werde es auch testen.
00:15:45: also ich habe mir den Song ja jetzt mehrfach angehört.
00:15:48: Ich kenne jetzt schon einfach durchs Hören seine Akkorde und werde mich nachher hinsetzen Wenn ich das so hinkriege, dann werden wir den auch auf die Bühne bringen.
00:15:59: Da bin ich mir ziemlich sicher!
00:16:03: Dann haben wir doch eigentlich Stories of the Street heute wirklich sehr gut besprochen glaube ich und das nächste Mal in der nächsten Folge da gibt es einen unfassbaren Song.
00:16:19: Wow, teachers!
00:16:21: Ein sehr dunkles Werk.
00:16:24: Das auch so ein wenig Western-Stimmung für mich versprüht.
00:16:28: aber das natürlich dann beim nächsten Mal.
00:16:31: und bis dahin kann ich nur sagen bleibt uns wohlgesonnen und bleibt vor allem freundlich und wir sagen jetzt auch Be kind.
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